Gefährdungsbeurteilung-Software kostenlos: vier Optionen und ihre Grenzen

Thomas Schweig

Fachkraft für Arbeitssicherheit · Mitgründer von AMS-Pro

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Für die Gefährdungsbeurteilung gibt es vier Arten kostenloser Lösungen: GEDOKU, das Programm der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG), die Online-Tools anderer Berufsgenossenschaften, kostenlose Vorlagen für Word oder Excel und die Gratis-Pläne kommerzieller Software. Rechtlich reicht jede davon, solange die Dokumentation die Anforderungen von § 6 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) erfüllt. Die Unterschiede liegen im Aufwand: wie gut Kataloge zu Ihrer Branche passen, wie Sie Maßnahmen nachverfolgen und ob mehrere Personen gemeinsam arbeiten können.

Kurz gesagt

  • Das Gesetz schreibt keine Software vor. Nach § 6 ArbSchG müssen aus der Dokumentation das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung, die Maßnahmen und das Ergebnis ihrer Überprüfung hervorgehen. Die Form ist frei.
  • GEDOKU (VBG) ist kostenlos und fachlich gut, läuft aber als Windows-Programm auf dem eigenen Rechner oder im eigenen Netzwerk.
  • Die Online-Tools der Berufsgenossenschaften sind für Mitglieder kostenlos und auf die Branche zugeschnitten. Fragen Sie zuerst bei Ihrer eigenen BG nach.
  • Vorlagen sind der schnellste Einstieg. Maßnahmen, Fristen und Aktualisierungen pflegen Sie dann von Hand.
  • Gratis-Pläne von Software-Anbietern sind meist begrenzt. Prüfen Sie vorher, was nach Erreichen der Grenze mit Ihren Daten passiert.

Was eine Lösung rechtlich leisten muss

Nach § 5 ArbSchG muss jeder Arbeitgeber die Gefährdungen bei der Arbeit beurteilen, ab dem ersten Beschäftigten. § 6 ArbSchG verlangt, dass er das Ergebnis dokumentiert: die Gefährdungen, die festgelegten Maßnahmen und das Ergebnis ihrer Überprüfung. Ein bestimmtes Format, eine Software oder eine „revisionssichere“ Ablage schreibt das Gesetz nicht vor. Eine sorgfältig geführte Excel-Datei kann die Anforderungen ebenso erfüllen wie ein Programm.

Wichtig ist, dass die Dokumentation vollständig und aktuell ist. In der Praxis heißt das: Jede Beurteilung ist datiert, jede Maßnahme hat eine verantwortliche Person und eine Frist, und Sie halten fest, ob die Maßnahme gewirkt hat. Wie verbreitet die Gefährdungsbeurteilung inzwischen ist, zeigt die GDA-Betriebsbefragung 2023/24: Rund 68 Prozent der Betriebe führen eine durch, 2015 waren es 52 Prozent.

Was zu einer vollständigen Beurteilung gehört, beschreiben die Beiträge Was ist eine Gefährdungsbeurteilung? und Gefährdungsbeurteilung erstellen: Schritt für Schritt.

Mann am Laptop vergleicht einen ausgedruckten Bericht, daneben eine Tafel mit der Aufschrift „Kosten vs Nutzen“

Die vier kostenlosen Optionen im Überblick

GEDOKU (VBG)Online-Tools der BGsVorlagen (Word, Excel)Gratis-Plan einer Software (Beispiel AMS-Pro)
KostenKostenlosKostenlos für MitgliederKostenlosKostenlos für das erste Unternehmen
ZugriffWindows, lokal oder im eigenen NetzwerkBrowser, meist über MitgliederportalDateienBrowser
GefährdungskatalogeBasis-, Themen- und BranchenkatalogeMusterbetriebe der jeweiligen BGJe nach VorlageVorlagenbibliothek und KI-Vorschläge
Maßnahmen nachverfolgenJa, mit TerminenJe nach ToolVon HandJa, Maßnahmenverwaltung
Betriebsanweisungen, GefahrstoffeAuf der VBG-Seite nicht genanntMeist separatVon HandBetriebsanweisungen, Gefahrstoff- und Betriebsmittelverzeichnis
GrenzeWindows-InstallationNur für Mitglieder der jeweiligen BGKein Abgleich, keine FristenBis zu 10 Beurteilungen und Betriebsanweisungen

Angaben zu GEDOKU laut VBG, Stand Oktober 2026.

1. GEDOKU der VBG

GEDOKU ist ein datenbankbasiertes Programm für Planung, Durchführung und Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung. Laut VBG ist die Nutzung kostenfrei. Es gibt eine Einzelplatzversion für Windows und eine Netzwerkversion, die Daten bleiben auf Ihrem System. GEDOKU bringt Basis-, Themen- und Branchenkataloge mit, verwaltet Maßnahmen und Termine und bietet seit Version 2.5 optional KI-Funktionen, die Texte für Gefährdungen und Maßnahmen formulieren. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie im Beitrag GEDOKU, BG-Tool oder Software?.

Passt gut, wenn eine Person die Gefährdungsbeurteilung an einem Windows-Rechner führt und der Betrieb wenige, gleichartige Arbeitsbereiche hat.

2. Online-Tools der Berufsgenossenschaften

Mehrere Unfallversicherungsträger bieten ihren Mitgliedern kostenlose Online-Werkzeuge an, etwa die BGHM, die BGHW oder die BGW. Sie arbeiten meist mit Musterbetrieben und anpassbaren Gefährdungen, die Anmeldung läuft über das Mitgliederportal. Der Vorteil: Die Inhalte sind auf Ihre Branche zugeschnitten.

Passt gut, wenn Ihre Berufsgenossenschaft ein solches Tool anbietet und Ihre Tätigkeiten darin gut abgedeckt sind.

3. Kostenlose Vorlagen

Viele Berufsgenossenschaften veröffentlichen Handlungshilfen und Checklisten, dazu kommen Vorlagen nach Branche, zum Beispiel unsere kostenlosen Gefährdungsbeurteilungs-Vorlagen für Büro, Handwerk oder Einzelhandel. Vorlagen sind schnell ausgefüllt. Fristen, offene Maßnahmen und neue Versionen behalten Sie aber selbst im Blick, und die Inhalte müssen Sie an Ihren Betrieb anpassen. Wann Excel an Grenzen stößt, beschreibt der Beitrag Gefährdungsbeurteilung: Excel oder KI-Tool?.

Passt gut, wenn Sie einen kleinen Betrieb mit überschaubaren Tätigkeiten haben und die Dokumentation von einer Person gepflegt wird.

Ausgedruckte Tabellen und ein Notizblock mit Haftnotizen auf einem Schreibtisch

4. Kostenloser Plan einer Software für Gefährdungsbeurteilungen

Einige Anbieter haben einen dauerhaft kostenlosen Einstiegsplan. Bei AMS-Pro umfasst er für das erste Unternehmen:

  • bis zu 10 Gefährdungsbeurteilungen und Betriebsanweisungen, KI-Erstellung inklusive
  • Betriebsmittel- und Gefahrstoffverzeichnis, Maßnahmenverwaltung und Dokumentenverwaltung
  • Export als PDF; Word und Excel gibt es im Premium-Plan

Ist die Grenze erreicht, bleiben alle Dokumente lesbar und exportierbar. Neue Beurteilungen erfordern dann Premium für 49 Euro im Monat. Kostenpflichtig wird nichts automatisch. Einzelheiten stehen auf der Seite Preise.

Passt gut, wenn Sie ohne Installation arbeiten und Betriebsanweisungen und Gefahrstoffverzeichnis zusammen mit der Gefährdungsbeurteilung führen möchten. Prüfen Sie bei jedem Anbieter, wie viele Dokumente und Betriebe der Gratis-Plan umfasst.

Wo kostenlose Lösungen an Grenzen stoßen

Zwei Personen arbeiten an Tablet und Laptop mit Diagrammen, eine davon im Büro, eine im Freien mit Schutzhelm

  • Mehrere Bearbeiter: Arbeiten Führungskräfte, Sicherheitsbeauftragte und eine externe Fachkraft für Arbeitssicherheit mit, werden Dateien und lokale Programme schnell unübersichtlich.
  • Viele Maßnahmen: Wer Dutzende Maßnahmen mit Fristen nachhalten muss, braucht eine Übersicht über offene und überfällige Punkte.
  • Gefahrstoffe und Arbeitsmittel: Betriebsanweisungen, Gefahrstoffverzeichnis und Gefährdungsbeurteilung sollten zusammenpassen. In getrennten Dateien laufen sie leicht auseinander.
  • Aktualität der Inhalte: Vorschriften ändern sich, etwa die DGUV Vorschrift 2. Bei Vorlagen und Katalogen liegt es an Ihnen, ob die Inhalte noch dem aktuellen Stand entsprechen.
  • Mehrere Standorte oder Betriebe: Gratis-Pläne gelten oft nur für einen Betrieb oder eine begrenzte Zahl von Dokumenten.

Checkliste für die Auswahl

  1. Deckt das Tool Ihre Branche ab? Prüfen Sie Kataloge oder Vorlagen mit einer typischen Tätigkeit aus Ihrem Betrieb.
  2. Wer arbeitet mit? Eine Person an einem Rechner oder mehrere Personen an verschiedenen Orten?
  3. Lassen sich Maßnahmen mit Verantwortlichen und Fristen erfassen?
  4. Gehören Gefahrstoffe und Betriebsanweisungen dazu?
  5. Was passiert an der Grenze des Gratis-Plans? Bleiben die Daten lesbar und exportierbar?
  6. Welche Exportformate gibt es? PDF für die Ablage, Word oder Excel für die Weiterbearbeitung?
  7. Wo liegen die Daten? Auf Ihrem eigenen System, bei der Berufsgenossenschaft oder bei einem Anbieter in der EU? Bei einem Anbieter brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag.

Welche Option zu welchem Betrieb passt

BetriebNaheliegende Wahl
Kleinbetrieb, ein Standort, wenige gleichartige TätigkeitenVorlage oder BG-Tool, bei Windows-Rechner auch GEDOKU
Betrieb ab etwa 20 Beschäftigten mit mehreren ArbeitsbereichenBG-Tool, GEDOKU-Netzwerkversion oder Software, je nachdem, wie viele Personen mitarbeiten
Betrieb mit vielen Gefahrstoffen oder ArbeitsmittelnSoftware, die Gefahrstoffverzeichnis und Betriebsanweisungen mit der GBU verbindet
Externe Fachkraft für Arbeitssicherheit mit mehreren KundenSoftware mit getrennten Bereichen je Kunde, siehe Software für externe Fachkräfte

Einen Vergleich kostenpflichtiger Lösungen finden Sie im Beitrag Software für Arbeitssicherheit.

Häufige Fragen

Ist eine Gefährdungsbeurteilung in Excel rechtlich zulässig?

Ja. § 6 ArbSchG schreibt keine Form vor. Entscheidend ist, dass Ergebnis, Maßnahmen und das Ergebnis ihrer Überprüfung dokumentiert sind und die Dokumentation aktuell gehalten wird.

Ist GEDOKU wirklich kostenlos?

Laut den Nutzungsbedingungen der VBG ist die Nutzung kostenfrei, eine VBG-Mitgliedschaft wird dort nicht als Voraussetzung genannt. GEDOKU läuft unter Windows ab Version 8 (64 Bit).

Muss ein kleiner Betrieb überhaupt eine Gefährdungsbeurteilung dokumentieren?

Ja. Die Pflichten nach § 5 und § 6 ArbSchG gelten ab dem ersten Beschäftigten, unabhängig von der Betriebsgröße.

Quellen

Passende Vorlagen

Thomas Schweig

Über den Autor

Thomas Schweig

Fachkraft für Arbeitssicherheit mit über 20 Jahren Praxis und Mitgründer von AMS-Pro, der Software für Gefährdungsbeurteilungen.

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