Gefährdungsbeurteilung mit Excel oder KI-Tool: Ein ehrlicher Vergleich

Viele Fachkräfte für Arbeitssicherheit arbeiten mit Excel, andere mit KI-Tools. Wann welche Methode besser passt.

Thomas Schweig

Fachkraft für Arbeitssicherheit · Mitgründer von AMS-Pro

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Für einen Betrieb mit wenigen, gleichartigen Arbeitsbereichen reicht eine gut gepflegte Excel-Vorlage für die Gefährdungsbeurteilung oft aus. Ein KI-Tool lohnt sich, wenn viele Bereiche, mehrere Betriebe oder mehrere Beteiligte dazukommen. Dieser Vergleich zeigt, wo die Grenze liegt.

Kurz gesagt

  • Excel ist kein schlechtes Werkzeug. Eine eigene, ausgereifte Vorlage kann alle Anforderungen nach § 5 und § 6 ArbSchG abbilden.
  • Excel prüft aber nichts. Ob Gefährdungsfaktoren, Maßnahmen, Verantwortliche und Fristen vollständig sind, müssen Sie selbst kontrollieren.
  • Ein KI-Tool spart vor allem bei vielen Bereichen und Mandanten Zeit, weil Entwürfe, Struktur und Maßnahmenverfolgung nicht jedes Mal neu entstehen.
  • Die Verantwortung bleibt in beiden Fällen beim Arbeitgeber. Kein Werkzeug ersetzt die Begehung und die fachliche Prüfung.

Wann Excel gut funktioniert

Wer seit Jahren mit einer eigenen Vorlage arbeitet, hat sie auf seinen Betrieb zugeschnitten und kennt jede Zeile. Das ist echter Wert. Kostenlose Ausgangspunkte finden Sie bei den Vorlagen für die Gefährdungsbeurteilung nach Branche.

Excel funktioniert gut, wenn:

  • Sie nur wenige Bereiche und Tätigkeiten beurteilen müssen,
  • Sie allein arbeiten und keine Gefährdungsbeurteilungen mit anderen abstimmen müssen,
  • Sie kein wiederkehrendes Reporting für mehrere Kundenbetriebe benötigen,
  • Sie bereits eine Vorlage haben, die alle Gefährdungsfaktoren und die Dokumentation nach § 6 ArbSchG abdeckt.

Wo Excel an Grenzen stößt

Excel wurde nicht für Gefährdungsbeurteilungen gebaut. Die Grenzen zeigen sich, wenn die Anforderungen wachsen.

Vollständigkeit ist Handarbeit

§ 5 ArbSchG nennt die Gefährdungsquellen, die Sie betrachten müssen, von der Arbeitsstätte bis zur psychischen Belastung. § 6 ArbSchG verlangt Unterlagen, aus denen das Ergebnis, die Maßnahmen und das Ergebnis ihrer Überprüfung hervorgehen. Excel erzwingt nichts davon. Fehlt eine Spalte oder bleibt ein Feld leer, fällt das oft erst bei einer Prüfung auf.

Viele Bereiche kosten überproportional Zeit

Ein Betrieb mit zehn Gefährdungsbeurteilungen ist in Excel gut zu handhaben. Bei fünf Kundenbetrieben mit je 20 Bereichen wird die Pflege zur Verwaltungsarbeit: Jede Datei wird einzeln geöffnet, befüllt, benannt und abgelegt. Versionen laufen auseinander.

Zusammenarbeit ist mühsam

Dateien per E-Mail hin und her schicken, Versionen zusammenführen, Freigaben nachverfolgen: All das passiert außerhalb von Excel. Wer mehrere Betriebe oder Abteilungen betreut, verliert Zeit mit Koordination statt mit inhaltlicher Arbeit.

Bewertung und Maßnahmenstand bleiben statisch

Eine Risikomatrix nach Nohl lässt sich in Excel nachbauen. Welche Maßnahmen offen, überfällig oder erledigt sind, sehen Sie aber nur, wenn Sie die Tabelle konsequent pflegen.

Was ein KI-Tool wie AMS-Pro bringt

Ein spezialisiertes Tool löst vor allem die Probleme, die mit der Menge entstehen:

  • Entwurf statt leerer Vorlage: Zur Tätigkeit oder zum Arbeitsbereich schlägt die KI Gefährdungen und Schutzmaßnahmen vor. Sie prüfen, ergänzen und geben frei.
  • Struktur: Gefährdungen, Bewertung, Maßnahmen, Verantwortliche und Fristen stehen in festen Feldern statt in frei gestalteten Zellen.
  • Maßnahmenverwaltung: Offene und erledigte Maßnahmen sind über alle Beurteilungen hinweg sichtbar.
  • Mehrere Betriebe: Externe Fachkräfte führen jeden Kundenbetrieb als eigenen Workspace und können bestehende Beurteilungen als Ausgangspunkt für ähnliche Betriebe kopieren.
  • Excel bleibt möglich: Gefährdungsbeurteilungen lassen sich (in Premium) als Excel-Datei exportieren, falls Ihre Ablage darauf aufbaut.

Zum Zeitgewinn: Belastbare, unabhängige Zeitstudien zum Vergleich gibt es nicht. Ein Kunde berichtet auf OMR Reviews von mindestens 60 Prozent Zeitersparnis bei der Erstellung gegenüber Excel. Für einen einzelnen, unkomplizierten Bereich spart ein Tool dagegen nicht zwingend Zeit. Der Vorteil zeigt sich vor allem bei vielen Bereichen und bei der Wiederholung über mehrere Betriebe.

Direkter Vergleich

KriteriumExcel-VorlageKI-Tool (am Beispiel AMS-Pro)
EinstiegSofort, wenn eine Vorlage da istKostenloser Plan für das erste Unternehmen
VollständigkeitSelbst sicherstellenFeste Struktur, KI-Vorschläge als Ausgangspunkt
Mehrere BetriebeAufwendig, viele EinzeldateienEin Workspace je Betrieb
Maßnahmen und FristenVon Hand pflegenMaßnahmenverwaltung mit Verantwortlichen und Fristen
ZusammenarbeitDateiweitergabeGemeinsamer Zugriff im Browser
ExportSelbst formatierenPDF, in Premium zusätzlich Word und Excel
KostenVorhandene Office-LizenzKostenlos bis 10 Dokumente, danach Premium ab 49 €/Monat

Andere Werkzeuge, etwa das kostenlose GEDOKU der VBG, vergleicht der Beitrag GEDOKU, BG-Tool oder Software.

Wann ist was die richtige Wahl?

Excel passt, wenn Sie ein oder zwei Betriebe mit überschaubaren Bereichen betreuen, bereits eine ausgereifte eigene Vorlage haben und kaum mit anderen zusammenarbeiten.

Ein KI-Tool passt, wenn Sie als externe Fachkraft für Arbeitssicherheit mehrere Betriebe betreuen, viele Bereiche beurteilen, Maßnahmen über längere Zeit nachverfolgen oder Dokumente mit Auftraggebern teilen.

Am aussagekräftigsten ist ein Test mit einer echten Gefährdungsbeurteilung aus Ihrer Praxis, nicht mit einem Demo-Betrieb. Dann sehen Sie selbst, ob der Zeitvorteil für Sie eintritt.

Quellen

Passende Vorlagen

Thomas Schweig

Über den Autor

Thomas Schweig

Fachkraft für Arbeitssicherheit mit über 20 Jahren Praxis und Mitgründer von AMS-Pro, der Software für Gefährdungsbeurteilungen.

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