Mit KI erstellen Sie eine Gefährdungsbeurteilung, indem Sie die Tätigkeit beschreiben, die vorgeschlagenen Gefährdungen und Maßnahmen gegen die Realität vor Ort prüfen und das Ergebnis dokumentieren. Die KI nimmt Ihnen den Schreibaufwand ab, nicht die Beurteilung. Diese Anleitung zeigt, was KI leisten kann, was nicht, und wie Sie Schritt für Schritt vorgehen.
Kurz gesagt
- KI liefert einen Entwurf: typische Gefährdungen einer Tätigkeit und passende Schutzmaßnahmen, geordnet nach dem STOP-Prinzip.
- KI kennt Ihren Betrieb nicht. Begehung, Bewertung und Freigabe bleiben Aufgabe des Arbeitgebers oder der beauftragten Fachkraft.
- Jede Maßnahme braucht eine verantwortliche Person, eine Frist und eine Wirksamkeitskontrolle (§ 3 ArbSchG).
- Dokumentieren müssen alle Arbeitgeber, unabhängig von der Zahl der Beschäftigten (§ 6 ArbSchG).
Was KI bei der Gefährdungsbeurteilung leisten kann
Gefährdungsvorschläge: Sie geben die Tätigkeit ein, zum Beispiel „Schweißarbeiten in der Werkstatt“. Die KI schlägt die typischen Gefährdungen vor: mechanische Gefährdungen, Brand- und Explosionsgefahr, Gefahrstoffe wie Schweißrauch, physikalische Einwirkungen wie Lärm und UV-Strahlung sowie ergonomische Belastungen.
Maßnahmen nach dem STOP-Prinzip: Die Vorschläge lassen sich nach Substitution, technischen, organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen ordnen. Das entspricht den Grundsätzen in § 4 ArbSchG: Gefahren an der Quelle bekämpfen, individuelle Schutzmaßnahmen nachrangig. Mehr dazu im Beitrag zum STOP-Prinzip.
Strukturierte Dokumentation: Gefährdung, Bewertung, Maßnahme, Verantwortliche, Frist und Datum stehen in festen Feldern und lassen sich als PDF ausgeben.
Wiederverwendung: Eine bestehende Gefährdungsbeurteilung lässt sich für eine ähnliche Tätigkeit anpassen, statt neu zu beginnen. Für externe Fachkräfte für Arbeitssicherheit, die viele Betriebe betreuen, ist das ein großer Zeitvorteil.
Was KI nicht kann
KI kennt Ihren Betrieb nicht. Sie ersetzt keine Begehung, erkennt keine örtlichen Besonderheiten und beurteilt nicht die tatsächlichen Arbeitsbedingungen. Das bedeutet:
- Die vorgeschlagenen Gefährdungen sind ein Ausgangspunkt, kein Endergebnis.
- Sie müssen jeden Vorschlag gegen die realen Bedingungen am Arbeitsplatz prüfen.
- Betriebsspezifische Gefährdungen, etwa ältere Maschinen oder besondere Arbeitsabläufe, ergänzen Sie selbst.
- Die Verantwortung liegt weiterhin beim Arbeitgeber.
Schritt für Schritt: Gefährdungsbeurteilung mit KI erstellen
Schritt 1: Tätigkeit und Arbeitsbereich beschreiben
Beschreiben Sie die Tätigkeit möglichst genau. Nicht „Büroarbeit“, sondern „Bildschirmarbeit im Callcenter, 8 Stunden pro Tag, mit Headset“. Je konkreter die Eingabe, desto passender die Vorschläge.
Alternativ starten Sie mit einer Vorlage für Ihre Branche, etwa für Lager, Handwerk oder Pflege, und passen sie an.
Schritt 2: Gefährdungen prüfen und bewerten
Die KI liefert eine Liste möglicher Gefährdungen. Für jede Gefährdung bewerten Sie:
- Eintrittswahrscheinlichkeit, zum Beispiel selten, gelegentlich oder häufig,
- Schadensschwere, zum Beispiel leicht, schwer oder sehr schwer,
- Risiko, das sich aus beiden ergibt, etwa über eine Risikomatrix nach Nohl.
Ergänzen Sie Gefährdungen, die für Ihren Betrieb typisch sind und in den Vorschlägen fehlen. Denken Sie auch an psychische Belastung, die § 5 Abs. 3 ArbSchG ausdrücklich nennt.
Schritt 3: Maßnahmen festlegen
Für jede relevante Gefährdung legen Sie Schutzmaßnahmen fest. Die KI schlägt bewährte Maßnahmen vor, Sie entscheiden, welche in Ihrem Betrieb umsetzbar sind, und passen sie an.
Setzen Sie Substitution und technische Maßnahmen vor persönliche Schutzausrüstung. PSA ist die letzte Stufe, nicht die erste Wahl.
Schritt 4: Verantwortliche und Fristen festlegen
Jede Maßnahme braucht eine verantwortliche Person und eine Umsetzungsfrist. Das ist die Grundlage für die Wirksamkeitskontrolle, die § 3 Abs. 1 ArbSchG verlangt: Der Arbeitgeber muss die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit überprüfen und bei Bedarf anpassen.
Schritt 5: Dokumentieren und ablegen
Die fertige Gefährdungsbeurteilung exportieren Sie zum Beispiel als PDF. Die Dokumentation nach § 6 ArbSchG ist für jeden Arbeitgeber Pflicht, unabhängig von der Zahl der Beschäftigten. Die frühere Ausnahme für Betriebe mit bis zu 10 Beschäftigten gibt es seit 2013 nicht mehr. Eine bestimmte Form schreibt das Gesetz nicht vor.
In AMS-Pro ist der PDF-Export bereits im kostenlosen Plan enthalten, Word und Excel kommen in Premium dazu.
Worauf es rechtlich ankommt
Eine Gefährdungsbeurteilung erfüllt die Anforderungen des Arbeitsschutzgesetzes, wenn sie:
- vollständig ist, also alle Tätigkeiten und die Gefährdungsquellen aus § 5 Abs. 3 ArbSchG abdeckt,
- aktuell ist, also bei wesentlichen Änderungen und nach Unfällen überprüft wird (eine feste Frist nennt das Gesetz nicht),
- dokumentiert ist, mit Ergebnis, Maßnahmen und Ergebnis der Überprüfung (§ 6 ArbSchG),
- fachkundig erstellt wurde. Fehlt dem Arbeitgeber die Fachkunde, lässt er sich von Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt beraten. Einzelne Verordnungen wie die Betriebssicherheitsverordnung verlangen die Fachkunde ausdrücklich.
KI beschleunigt den Prozess, ersetzt aber nicht die fachliche Prüfung. Wer einen KI-Entwurf ungeprüft übernimmt, bleibt für Lücken genauso verantwortlich wie bei einer selbst geschriebenen Beurteilung.
Mitbestimmung: Gibt es einen Betriebsrat, hat er bei der Gefährdungsbeurteilung ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG. Das gilt auch, wenn Sie dafür ein KI-Tool einsetzen.
Kann ich eine Gefährdungsbeurteilung mit ChatGPT erstellen?
Ja, mit Einschränkungen. ChatGPT kennt Ihren Betrieb nicht, verwaltet keine Maßnahmen mit Verantwortlichen und Fristen und speichert keinen Stand, den Sie fortschreiben können. Das Ergebnis ist ein Textentwurf, den Sie prüfen und in Ihre Dokumentation übertragen. Was dabei zu beachten ist und eine Prompt-Vorlage finden Sie im Beitrag Gefährdungsbeurteilung mit ChatGPT.
Spezialisierte Tools sind für diesen Zweck gebaut: mit Vorlagen, strukturierter Risikobewertung, Maßnahmenverwaltung und Export. Den klassischen Weg ohne KI beschreibt der Leitfaden zur Gefährdungsbeurteilung.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Gefährdungsbeurteilung mit KI?
Das hängt von der Tätigkeit und vom Prüfaufwand ab. Den Entwurf liefert die KI in Minuten. Die meiste Zeit brauchen Sie für die Begehung, die Bewertung und die Anpassung an Ihren Betrieb. Dieser Teil lässt sich nicht automatisieren.
Muss ich als externe Fachkraft für jeden Kunden eine eigene Gefährdungsbeurteilung erstellen?
Ja. Jede Gefährdungsbeurteilung muss die Bedingungen des jeweiligen Betriebs abbilden. Sie können aber eine geprüfte Beurteilung oder Vorlage als Ausgangspunkt nehmen und für jeden Kunden anpassen.
Wird eine KI-gestützte Gefährdungsbeurteilung bei einer Prüfung anerkannt?
Ja, wenn sie fachkundig erstellt, geprüft und dokumentiert ist. Aufsichtsbehörde und Berufsgenossenschaft prüfen den Inhalt, nicht das Werkzeug.
Wie oft muss die Gefährdungsbeurteilung aktualisiert werden?
Das Arbeitsschutzgesetz nennt keine feste Frist. Aktualisieren müssen Sie sie bei wesentlichen Änderungen am Arbeitsplatz, bei neuen Arbeitsmitteln oder Arbeitsverfahren, nach Arbeitsunfällen oder wenn Maßnahmen nicht wirken. Viele Fachkräfte empfehlen zusätzlich eine regelmäßige Überprüfung, zum Beispiel einmal im Jahr.
